Empathie und Fröhlichkeit
Aus Sarganserländer: Am Mittwoch, 11. Februar, feierte im Kapuzinerkloster Bruder Augustin Bürke seinen 90. Geburtstag. Geistig völlig fit und auch körperlich noch, abgesehen von gewissen Altersbeschwerden, in guter Verfassung, ist er als dienstältester Mitbruder der Klostergemeinschaft für manche langjährigen «Kunden» immer noch ein beliebter Beichtvater und Ratgeber in persönlichen Gesprächen.
Hans Hidber
Mels. – Vor 22 Jahren wurde der 1936 in St. Gallen geborene und aufgewachsene Bruder Augustin Bürke nach zahlreichen vorausgegangenen Stationen ins Kapuzinerkloster Mels beordert, wo er in der Pforte, als Beichtvater und als Aushilfe in der Seelsorge im ganzen Sarganserland und darüber hinaus eingesetzt wurde. Seit er nicht mehr mobil ist, hält er als ruhender Pol im Kloster «die Festung», wenn seine Mitbrüder in den verschiedenen Pfarreien im Einsatz sind. Bruder Augustin geniesst den Ruf eines guten und geduldigen Zuhörers, der einfühlsam und verständnisvoll auf die mannigfachen Anliegen und Nöte der Ratsuchenden eingeht und Trost und Zuversicht spendet.
Ein bewegter Lebenslauf
Gefragt, wann er zum ersten Mal den Wunsch spürte, Priester zu werden, erinnert sich Augustin genau an das Schlüsselerlebnis: « Es war in der zweiten Primarklasse in St. Gallen, als ein Steyler Missionar einen Vortrag über die Missionen und seine Erlebnisse in den fernen Ländern hielt.» Da habe er sich gesagt «das will ich auch.» Nach der Matura und dem zweijährigen Noviziat bei den Steylern Missionaren in Mödling bei Wien wechselte er nach dem Theologiestudium in Fribourg 1964 zu den Kapuzinern in Luzern.1967 wurde er in Solothurn zum Priester geweiht. Einem Sprachaufenthalt in London folgte ein zweijähriger Einsatz als Missionar in Tansania. Danach war er in verschiedenen Pfarreien als Aushilfe tätig, so auch in der deutschen Nachbarschaft im Kreis Waldshut sowie im Tirol. Am längsten unmittelbar vor der Dislokation nach Mels wirkte Augustin von 1989 bis 2004 am Wallfahrtsort Maria Vesperbild im schwäbischen Ziemetshausen.
Der Wandel in Kirche und Gesellschaft
Augustins Eintritt in die geistliche Laufbahn fiel in die Zeit eines grossen kirchlichen Umbruchs
nach dem Konzil, ein Prozess, der an Dynamik und auch Kontroversen zwischen konservativen und liberal-progressiven Kräften derzeit an Fahrt noch zugenommen hat. Dazu Augustin: «Ich finde, dass die Kirche etwas zu stark verweltlicht wird». Er sieht aber auch positive Aspekte in der Öffnung einer früheren starren Kirchenstruktur. Nebst dem kirchlichen haben auch im gesellschaftlichen Bereich erhebliche Umwälzungen stattgefunden. Spürt man das auch in den Seelsorgegesprächen? Augustin: «Eine deutliche Zunahme ist bei Beziehungskrisen festzustellen; die Schwelle zur Trennung oder Scheidung liegt heute tiefer. Was es aber früher nie gegeben habe: «Fälle, wo Mütter eine Familie einfach verlassen, ohne sich um die zurückgebliebenen Kinder zu kümmern.»
Im Sarganserland gut verankert
In den bisher gut zwei Jahrzehnten seiner Tätigkeit im Sarganserland hat Bruder Augustin viele Menschen und auch die Mentalität der «Oberländer» kennengelernt. Sind ihm da Besonderheiten aufgefallen? «Aus meiner Erfahrungen in so vielen Gegenden mit verschiedenem kulturellem Hintergrund finde ich, dass die Leute hier nicht viel anders sind», so Augustin. Jeder Mensch sei ohnehin ein Unikat und lasse sich nicht in eine Schablone stecken. «Aufgefallen vor allem am Standort Mels ist mir die Freundlichkeit der Bevölkerung, da wird man auf der Strasse noch gegrüsst.» Der subtile Humor, der vor allem im kleineren Kreis voll zur Blüte kommt, rundet die menschenfreundliche Persönlichkeit des Jubilars ab. Ihm sind noch weitere gesunde und erfüllte Jahre im «Chlöschterli» zu wünschen.
Zum Bild: Mit 90 Jahren noch voll im Saft: Bruder Augustin strahlt Empathie und Fröhlichkeit aus. Pressebild.
Dem Sarganserländer einen herzlichen Dank für die Veröffentlichung.