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Mit neuen Sprachen reden

REDEN & SCHWEIGEN FASNACHTSPREDIGT 2026
Von Bruder Hanspeter Betschart, Kloster Wil

Betonung ab Fettdruck, Tróchäus - Jambús
Ps: Die saubere Darstellung ist auf dem PDF.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, 
Fasnacht ist es heute wieder! 
Und gepredigt wird jetzt heute
nur in Knittelversen, liebe Leute!
Es geht ums Reden und ums Schweigen,
um diesen speziellen Reigen!
Ist Tafelsilber nur das Reden,
mal mit, mal ohne jeden Segen?
Ist das Schweigen wirklich Gold,
Gott und Menschen immer hold?
Vor fünfzig Jahren: Dallenwil!
Erste Predigt, ungelenk und ohne Stil!
Dann im Pfarrhaus: Mittagessen,
die taffe Köchin, unvergessen,
sagt nach heiterem Geplauder,
mit nidwaldnerischem Zauber:
«Kleiner Pater, Dui bisch meini
äs richtigs Redhuis, wie sonst keini!»
Äs «Redhuis» kann halt wacker reden,
ohne gleich ganz stumm zu werden.
Wer brachte Lallen einst zum Sprechen,
zum gefitzten Zungenbrechen,
zum spassig plaudern, reden,
auf ein Wort die Antwort geben,
schlagfertig zackig replizieren
lehrte Mama sechs der ihren,
die in fremden Sprachen gern parlieren,
und sich allzu gerne profilieren.
Was sagt das Psalmenbuch der Bibel,
diese hehre alte Menschheits-Fibel?
Bitten, loben, danken: Diese drei
sind im täglich Beten stets dabei,
ob im Reden oder Singen
soll es immer schön erklingen!
Auch singen, jodeln, tanzen, aber gern,
erfreu’n die Ehre uns‘res Herrn! Ps 29,1-11
Prophetisch reden, Zungenrede, Apg 10,46
sind da etwas ferner im Gehege,
wenn des Schreibers flinke Zunge Ps 45,2
dem Griffel folgt mitsamt der Lunge
und gute Sprüche wacker knattern,
nicht verletzen, tüchtig rattern!


Nun gibt es halt - Gott sei’s geklagt! -
Menschenrede von ganz and’rer Art!
Gemeint ist nicht das Seufzen, Stöhnen,
das Stammeln, Hilfe rufen, Klönen!
«Vor der kleinen Zunge grosser Macht Jak 3,1-12
hütet euch und haltet Acht!»
So warnt schon vor Schimpf und Schande,
im Brief Jakobus vor dem Höllenbrande.
Auch die Psalmen sind am Warnen
vor Gezänk der Zungen, die umgarnen: Ps 31,21
«Bewahre deine Lippen vor dem Bösen,
du musst vor falscher Rede sie erlösen!» Ps 34, 14
«Pass auf vor Unheil, und vor Trug, Ps 36 4
vor Leuten, die da geifern voller Lug!» Ps 59,8
Aufgerissen bis zum Himmel ist ihr Maul,
auf Erden bremst kein Karrengaul, Ps 73,9
aufspielt sich mit voller Lunge
ihr Lügenmaul mit falscher Zunge, Pss 73,9; 109,2
geschärft ist sie von einer Schlange, Ps 140,4
mit Gift der Viper! - Wird dir etwa bange?
Schauen wir auf unser eig‘nes Maul!
Was wir so reden, schwafeln oberschlau!
Geschwollen, eitel das Gerede: 2 Petr 2,18
Leerlauf, überflüssig ist die Rede!
Die Waschweiber sind auf Tour,
Klatschmäuler-Männer folgen pur!
Sind wir ertappt mit Narrenkappe,
grölt weiter schon die freche Klappe.
Schmollen, tuscheln. nörgeln, motzen,
meckern, ärgern und verärgern, trotzen,
schimpfen und beschimpfen, murren,
wegen jedem Kleinschiss knurren,
aufbegehren, lamentieren,
gegen alle / alles protestieren.
Schlimmer noch, wenn Hohn und Spott
giftig fliessen in den Alltagstrott!
Das Grossmaul wird zur Megaschnorre,
die Gosche eine riesige Sauschnorre!
Es bleibt die klare ganz direkte Frage.
gültig auch für uns’re Tage:
«Wer gab dem Menschen seinen Mund,
wer macht taub und auch gesund?» Ex 4,11


Es gibt sie, die schlecht reden können,
man möcht‘ es ihnen herzlich gönnen.
Es gibt das absolut Verstummen,
es gibt die Tauben und die Stummen,
Aphasie nennt man Totalblockade,
eine echte Jeremiade! Abklären!
Gewaltig ist, wenn dank dem Gottesmann
ein Stummer wieder reden kann. Mt 9,33
Seine Zunge jauchzt dann fröhlich auf
und dankt dem Herrn für neuen Schnauf. Jes Sir 3,5 ???
Sein Schweigen wird zum Lobgesang,
voller Freude seiner Stimme Klang! Ps 65,2
Auch Jesu Jüngern war klar angesagt
des Auferstand’nen Wort: «Ganz unverzagt
werdet ihr in neuen Sprachen reden, Mk 16,15.17
der ganzen Welt ein Zeichen geben,
fremde Sätze auch gebrauchen, Apg 2,3-4
die Feuerzungen euch einhauchen.»
Wer könnte schweigen ob all dem, Apg 4,20
was sie gehört und auch geseh’n?
Mit Lachen füllt sich Christenmund, Ps 126,2
der Zunge Jubel macht sich kund.
Was sagen Psalmen uns in aller Schärfe, Pss 115,5-7; 135,15-17
erinnern uns in strenger Verve:
«Aus Silber, Gold nur sind die Heidengötter,
Menschen-Machwerk für die Spötter,
ihr Mund, der kann nicht reden,
ihre Kehlen können keine Laute geben,
ihre Ohren hören keinen Ton,
was hat das Beten nun davon?»
«Vertraut dem HERRN ganz oben, Ps 115,15
der Himmel, Erde machte, ist zu loben!
Grösser als die Götter: ER, Ps 135,5.13
sein Name ist ein EWIGER.
«Ich bin der Herr Dein Gott, fest ist mein Bund,
wer mich liebt, dem schenke ich meine Huld.» Dtn 7,9
So spricht zu seinem Volk ihr Jahwe Gott:
«Sei still und höre! Folge dem Gebot!» Dtn 27,9-10
«Schweig vor Gott, dem Herrn in Stille!» Zef 1,7
«Sei still vor ihm, es ist sein Wille!» Ps 37,7
«Alles hat doch seine Stunde
auf dem ganzen Erdenrunde.», Koh 3,1


sagt Kohelet in seinem Buch
mit diesem schönen Spruch:
«Zum Reden gibt es eine Zeit,
eine and‘re wo man besser schweigt.» Koh 3,7
Was sagen träf doch die Bretonen,
um vom Reden zu verschonen:
«Ein Wort, das wird verschwiegen,
kann zwei gesprochene aufwiegen.»
Und ein Sprichwort der Chinesen
gehört zu uns’rem Menschenwesen:
«Die Leute hören, was wir sagen
und vielleicht gar nicht vertragen!
Wer sich liebt, hört auch das Nichtgesagte,
Herzworte und das Nichtgewagte.»
Eigenartig sind im Markus-Evangelium
die Gebote Jesu zum Silentium.
Die Jüngerschaft, die Leute rundherum
sollen alle bleiben stumm,
der Markus-Jesu mahnt zum Schweigen,
bis vollendet ist der Todesreigen.
Bis zur Auferstehung gilt die Bitte, Mk 9,9
stets aber unbeachtet, nicht nach Sitte.
Der Evangelist will uns ermahnen,
den Jesus-Weg ganz zu erahnen:
Beim Kreuz- und Leidensweg des Herrn
ist sein Auferstehungsweg nicht fern.
Karfreitag und Karsamstag führen alle
zum Fest von Ostern: «Halleluja! Halle!»
Hast du beim Beten ein Problem,
ist es für dich auch unbequem?
Du meinst doch beten sei viel reden,
von dir her eifrig Antwort geben?
Beten ist nicht nur Nicht-Reden,
auf alles selber Antwort geben.
Beten heisst ganz stille warten,
hören in den Seelengarten,
Gebet wird innerlich und tief,
kaum noch Worte, die ich rief,
ich lauschte auf das Unerhörte:
dass ich Gott selber reden hörte! Sören Kierkegaard
Meine Augen hob ich zu den Bergen oben, Ps 121,1
und Gott sagte: «Amen!» aus das Loben!