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Der Kapuzinerorden ist ein katholischer Bettelorden innerhalb der franziskanischen Ordensfamilie. Sein Name leitet sich von der markant spitzen Kapuze der braunen Ordenskutte ab. Im Zuge von Reformbestrebungen innerhalb des Franziskanerordens entstand der Kapuzinerorden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Italien. Ziel seiner Gründer war es, zur ursprünglichen Lebensweise des heiligen Franziskus von Assisi zurückzukehren – geprägt von strenger Armut, Einfachheit und einem Leben als Wanderprediger.

In der Schweiz fasste die Kapuzinerreform früh nach der Gründung des Ordens Fuss. Bald wurden Kapuzinerklöster in Bigorio im Tessin (1535), Altdorf (1581), Stans (1582), Luzern (1583) und Schwyz (1585) sowie an weiteren Orten in der Deutschschweiz gegründet. Ab 1589 bildeten sie die Schweizer Kapuzinerprovinz. Bei den Gründungen spielten neben frommen Motiven auch strategische Überlegungen zur Rückgewinnung der dem reformierten Glauben zugewandten Gebiete eine Rolle. Ende des 17. Jahrhunderts zählte die Provinz, die vorübergehend auch das Elsass und den süddeutschen Raum bis ins Vorarlberg umfasste, mehr als 60 Niederlassungen.

Die Kapuziner profilierten sich zunächst vorwiegend als Prediger. Ihre Krankenseelsorge und -pflege während der Pestepidemien sowie ihre Friedensvermittlungen trugen ihnen bei der Bevölkerung und der weltlichen Obrigkeit gleichermassen Sympathien ein. Die Kapuziner setzten sich für die Alphabetisierung der ländlichen Bevölkerung ein, gründeten im späten 19. Jahrhundert eigene Schulen und Internate und wandten sich der Volksmission zu. Bereits ab dem 18. Jahrhundert wurden Kapuziner vereinzelt als Missionare in Russland und Indien eingesetzt. Im Jahr 1921 übernahmen die Schweizer Kapuziner eigene Missionsgebiete in Tansania und auf den Seychellen.

Die bald fünfhundertjährige Geschichte der Kapuziner in der Schweiz ist von starken Wellenbewegungen geprägt. Die Aufklärung, die Französische Revolution und später der Sonderbund sowie der Kulturkampf brachten dem Orden einige Aufhebungen und einen Rückgang der Mitgliederzahlen, bevor im 20. Jahrhundert ein neuer Aufschwung mit zahlreichen Neugründungen einsetzte. Im Jahr 1962 erreichte die Schweizer Kapuzinerprovinz mit 820 Mitgliedern ihren personellen Höchststand.

In den letzten Jahrzehnten ist die Präsenz der Kapuziner in der Schweiz aufgrund des Mangels an Neueintritten stark zurückgegangen. Zahlreiche Niederlassungen mussten geschlossen werden. Heute leben und wirken rund 70 Kapuzinerbrüder an acht Standorten: Luzern, Rapperswil, Mels, Schwyz, Wil, Delémont, Fribourg und Saint-Maurice. Sie sind unter anderem in den Bereichen Seelsorge, Bildung, Entwicklungshilfe und Medien tätig und widmen sich sozialen Randgruppen. An den verschiedenen Standorten werden zeitgemäße Angebote geschaffen: So erfand sich das Kloster Wesemlin in Luzern unter dem Label «Oase-W» neu – als offener Ort für Begegnung und Spiritualität. In Rapperswil besteht das Angebot, für eine gewisse Zeit im Kloster mitzuleben.

Im Jahr 2026 entschieden sich die Schweizer Kapuziner, sich der deutschen Provinz anzuschliessen, zu welcher neben den Kapuzinergemeinschaften in Deutschland auch jene in Belgien, den Niederlanden und in Teilen von Österreich gehören. Die bisherige Vierländerprovinz wird somit zur Fünfländerprovinz.

Dieser Text basiert auf dem Artikel zu den Kapuzinern im Historischen Lexikon der Schweiz: www.hls-dhs-dss.ch

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kapuziner ermöglicht die seit 1932 erscheinende historische Zeitschrift «Helvetia Franciscana»: www.helvetia-franciscana.org


Provinzarchiv

Das Provinzarchiv der Schweizer Kapuziner befindet sich seit jeher im Kloster Wesemlin in Luzern und beherbergt das Schriftgut der Schweizer Kapuziner seit den Anfängen des Ordens im Gebiet der heutigen Schweiz. Es umfasst damit einen seit dem Ende des 16. Jahrhunderts gewachsenen Bestand, der die Organisation und das breite Wirkungsfeld dieses volksverbundenen Ordens beleuchtet. Durch das in der Provinz laufend neu entstehende Schriftgut wird das Archivgut kontinuierlich erweitert.

Die erste Erwähnung eines «Archivum Provinciale» findet sich in den Provinzannalen des Jahres 1602. Damals fanden sämtliche Archivalien in einer einzigen, 48 Zentimeter langen Truhe Platz. Heute verfügt das Provinzarchiv über eine Aufnahmekapazität von vier Laufkilometern und zählt damit zu den grössten Archiven des Kapuzinerordens weltweit.
Das Provinzarchiv gilt als Kulturgut von nationaler Bedeutung und ist Teil des Schweizerischen Kulturgüterschutzinventars.

Literaturhinweis
Christian Schweizer: Tradition – Dokumentation. Das Provinzarchiv der Schweizer Kapuziner in Luzern; in: Helvetia Franciscana 36 (2007), 13–93.

Provinzarchivarin
Dr. phil. Colette Halter-Pernet
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Zugang
Auf Anmeldung können Dokumente aus den Archivbeständen unter Einhaltung der gegebenen Schutzfristen vor Ort eingesehen werden. Das Provinzarchiv führt keinen öffentlich zugänglichen Onlinekatalog. In der Regel ist das Archiv von Dienstag bis Freitag besetzt.


Bibliothek

Bibliotheken gehörten von Anfang an zur festen Ausstattung der Kapuzinerklöster und dienten in erster Linie als Hausbibliotheken. Ihre Bestände gehen vielfach auf Schenkungen zurück, wie das Beispiel des Klosters Wesemlin in Luzern zeigt: Kaspar Pfyffer, der Stifter des Klosters, erwarb bereits 1585 – noch während der Bauzeit – eine umfangreiche Büchersammlung, die er dem Konvent übergab und die den Grundstock der Bibliothek bildete.

Schon in der Vormoderne entwickelte sich die Büchersammlung des Klosters Wesemlin zu einer bedeutenden Bibliothek. Im Jahr 1730 richteten die Kapuziner einen grosszügigen Bibliotheksraum ein, der sich über zwei Stockwerke erstreckte. Bis heute ist das obere Geschoss mit seinem hölzernen Tonnengewölbe im Originalzustand erhalten geblieben. Über den Büchergestellen befinden sich 28 Ölgemälde der Apostolischen Nuntien in Luzern aus den Jahren 1668 bis 1850, die mit den Kapuzinern in engem Austausch standen.

Der Bestand der Klosterbibliothek umfasst rund 34 000 Werke, darunter etwa 12 000 Titel aus der Zeit vor 1900. Dazu zählen rund 400 Inkunabeln, also Drucke aus der Frühzeit des Buchdrucks vor 1500. Zu den besonderen Kostbarkeiten gehören sechs zwischen 1466 und 1485 gedruckte deutsche Bibelübersetzungen. In Luzern werden zudem die wertvollen Bestände weiterer Kapuzinerbibliotheken der Schweiz aufbewahrt. Die Kapuzinerbibliothek im Kloster Wesemlin gilt als Kulturgut von nationaler Bedeutung und ist Teil des Schweizerischen Kulturgüterschutzinventars.

Eine weitere Büchersammlung bildet die Bibliothek der Kapuzinerautoren. Sie vereint Werke, die von Schweizer Kapuzinern verfasst, herausgegeben oder übersetzt wurden, und wird laufend erweitert. Die Sammlung umfasst mehr als 3 000 Titel seit dem 17. Jahrhundert.

Verzeichnisse

  • Die Bücher der Klosterbibliothek sind in den Katalog der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern integriert und über die Plattform Swisscovery zugänglich: https://swisscovery.slsp.ch
  • Mit dem historischen, noch bis Ende der 1990er-Jahre aktuell gehaltenen, Zettelkatalog mit dem Schrifttum aller Niederlassungsbibliotheken der schweizerischen Kapuzinerprovinz der Deutschschweiz, lassen sich die ursprünglichen Bibliotheksbestände rekonstruieren. Er ist über die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern zugänglich: http://kapuzbib.eurospider.com/digital_library/
  • Übersicht zur Verwaltung aktueller und ehemaliger Kapuzinerbibliotheken in der Schweiz mit Literaturhinweisen: Kapuzinerbibliotheken in der Schweiz

Literatur

Stiftsbibliothek St. Gallen (Hg.): Handbuch der Schweizer Klosterbibliotheken, Schwabe, Basel, 2022, 232–238, eingepflegt in Datenbank der «Helvetia Sacra»: www.helvetiasacra.ch

Kontakt
Dr. Heinz Nauer, Kulturgüterverantwortlicher

Tel. +41 (0)41 429 67 46
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Zugang
Bücher aus der Bibliothek können auf Anmeldung vor Ort eingesehen werden. Neben den oben genannten Verzeichnissen stehen vor Ort weitere Kataloge und Findmittel zur Verfügung. Das Kloster Wesemlin bietet ausserdem Bibliotheksführungen für Gruppen an: www.klosterluzern.ch


Mobile Kulturgüter

In Klöstern werden zahlreiche kunst-, kultur-, liturgie- und theologiegeschichtlich bedeutende, mitunter auch materiell wertvolle Objekte aufbewahrt. Dazu zählen Gemälde, Reliquiare, liturgische Gewänder und Geräte wie Messkelche oder Monstranzen ebenso wie Devotionalien, etwa Kreuze, Andachtsbilder oder Skulpturen. Diese beweglichen Kulturgüter bilden einen wesentlichen Bestandteil des kirchlichen Kulturerbes.

Die zahlreichen Klosterschliessungen in der Schweiz seit dem Ende der 1990er-Jahre haben den beweglichen Kulturgütern neue Aufmerksamkeit verschafft. Dabei stellen sich Fragen der Erfassung, Konservierung und künftigen Nutzung der Bestände. Das Kloster Wesemlin beherbergt in mehreren Schutzräumen verschiedene Sammlungen, die teils aus dem eigenen Kloster, teils aus anderen Niederlassungen stammen. Dazu gehören auch rund 700 Objekte aus dem Bestand des Kapuzinermuseums in Sursee, die einen anschaulichen Einblick in die Alltagskultur der Kapuziner vermitteln, sowie ethnografische Objekte, Fotografien und Filme aus den überseeischen Missionsgebieten.

Sammlungen

  • Gemälde
  • Paramente
  • Liturgische Geräte
  • Skulpturen
  • Reliquare
  • Filme, Fotos und Objekte aus den Missionen
  • Objekte aus dem Kapuzinermuseum

Kontakt
Dr. Heinz Nauer, Kulturgüterverantwortlicher

Tel. +41 (0)41 429 67 46
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Zugang
Objekte aus der Kulturgütersammlung können auf Anmeldung vor Ort im Kloster Wesemlin eingesehen werden. Findmittel zu den verschiedenen Sammlungen können, sofern vorhanden, auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.


Kapuzinermuseum Sursee

Das Kapuzinermuseum zeigt einen umfassenden Querschnitt durch das Werden und Wirken der Schweizer Kapuziner und macht das «Leben in Armut», wie sie die Ordensregel des Heiligen Franz von Assisi verlangt, zum Objekt seiner Ausstellung. Mehrere tausend Objekte aus der ganzen Schweiz wurden für das Museum zusammengetragen – darunter Malereien und Skulpturen, Fotografien und Bücher, Devotionalien und Gebrauchsgegenstände.

Das Museum wurde 1960 im Auftrag der Schweizer Kapuzinerprovinz geschaffen und befindet sich im Dachgeschoss des 1998 aufgehobenen Kapuzinerklosters in Sursee. Seit seiner Gründung blieb das Museum weitgehend unverändert und wer es heute besucht, erfährt nicht nur viel über franziskanische Geschichte und Spiritualität, sondern macht zugleich eine museale Zeitreise zurück in die frühen 1960er-Jahre. Das Kapuzinermuseum Sursee gilt als Kulturgut von nationaler Bedeutung und ist Teil des Schweizerischen Kulturgüterschutzinventars.

Verzeichnisse
In den 1990er-Jahren wurden die rund 6000 Objekte im Museum fotografiert und inventarisiert. Das Inventar kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.

Literatur
Nach Eröffnung des Museums wurde 1963 im Oltener Walter Verlag eine Broschüre von 80 Seiten mit Beiträgen u. a. vom damaligen Kurator Gottfried Boesch publiziert.
www.swisscovery.slsp.ch

Kontakt
Dr. Heinz Nauer, Kulturgüterverantwortlicher

Tel. +41 (0)41 429 67 46
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Zugang
Das Museum kann nur auf Anmeldung besucht werden. Auch Führungen für Gruppen sind möglich. Gruppen werden nach Möglichkeit von einem Kapuziner durch die Ausstellung geführt. Termine und Kosten nach Absprache.