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Franziskuskalender 2027

Edito: Gerade jetzt ist es einfach, über die Schönheit der Welt zu schreiben: Es blüht und grünt um uns herum. Wir halten uns nun besonders gern draussen auf, spazieren durch Wälder und Seeufern entlang, geniessen Balkone, Gärten und Sitzbänke am Wegesrand, atmen tief durch und spüren tief in uns ein Gleichgewicht. Es passiert aber nicht nur im Frühling, sondern das ganze Jahr über: frühmorgens auf dem Balkon, wenn alles noch schläft; beim gemeinsamen ausgelassenen Nachtessen mit Freunden; beim Sport oder wenn wir von der Arbeit nach Hause zurückkehren; wenn wir einen geliebten Menschen in die Arme schliessen oder an der frisch gewaschenen Wäsche schnuppern. Das sind Orte, Augenblicke, die sich anfühlen wie – ja, wie was eigentlich?
Die Bibel hat dafür ein Wort: Eden. Ein Garten, den Gott selbst angelegt hat. Ein Ort der Fülle, der Schönheit, der unmittelbaren Begegnung mit dem Schöpfer. Ganz am Anfang des ersten Buches der Bibel, in den ersten Kapiteln der Genesis, lesen wir davon. Und auch davon, wie die Menschen den Garten verlassen müssen, nachdem sie sich verführen lassen. Seither begleitet uns die Sehnsucht: nach einem Ort, an dem alles stimmt, nach dem Moment, in dem wir nahe bei Gott und ganz frei und wir selbst sein dürfen. Oft stellen wir uns dieses Paradies als einen Rückzugsort vor, als eine Gegenwelt zum Stress, zu den Terminen, den schlechten Nachrichten. Das ist verlockend – aber nur vorübergehend umsetzbar.
Franziskus kennt diese Sehnsucht ebenfalls. Als er sich Anfang des 13. Jahrhunderts auf die Suche nach einem gottesnahen Leben macht, findet er tatsächlich ein Stück Eden: bei den Armen und Aussätzigen, in der Einfachheit, an der Seite von Frau Armut. Allein, paradiesisch ist es trotzdem nicht, dieses Leben: Auch Bruder Franz muss mit Gegenwind kämpfen, um Entscheidungen ringen, schlimme Krankheiten aushalten. Doch auch diese unvollkommene Welt erzählt für ihn von Eden – weil sie vom Schöpfer und seiner Schönheit erzählt: in der Freiheit und Bescheidenheit der Schwestern Lerchen, im Gesicht der Ausgeschlossenen und Bedürftigen, in den Händen der Grosszügigen und in den Augen der Liebevollen.
Die Welt, so wie sie ist, zerbrechlich und voller Wunder, herrlich und voller Fehler: Sie ist unser Garten, den wir gemeinsam pflegen dürfen. Franziskus zieht sich nicht aus der Welt zurück, sondern taucht in sie ein – und lädt uns ein, es ebenso zu tun!
Wir laden Sie ein, mit unseren Autorinnen und Autoren Ihrer eigenen Sehnsucht nach dem Garten Eden nachzuspüren. Wo sind die Orte, was die Momente, wer die Menschen, bei denen Sie ein Stück Paradies finden? Wo spüren Sie Schöpfung – als Geschenk, als Aufgabe, als Geheimnis? Vielleicht finden Sie beim Lesen ja auch Ihren Garten Eden. Oder Sie erinnern sich daran, dass Sie ihn längst kennen.

Frohes Entdecken – und ein gesegnetes 2027!

Sarah Gaffuri